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Eich, einem 1988 geborenen Trakehner v. Isotop/Falkner mit Spitznamen "Eichi", habe ich viel zu verdanken. Eich hat mein Vater Klaus Bendfeldt als Schulpferd vom Züchter Dr. Wittmarck gekauft. Eich betrat unseren Stall und um mich war es geschehen. Mein Vater hatte keine Chance ;-) 1995 fuhren wir zu unserer ersten Vielseitigkeit und konnten gleich den 6. Platz ergattern. Die Saison lief mehr als erfolgreich und so konnten wir uns im folgenden Jahr zum Nachwuchschampionat in Warendorf qualifizieren. Im Springpacours rutschte Eich aus und konnte die Prüfung leider nicht beenden. Ende 1996 starteten Eich und ich im Rahmen der Landesmeisterschaft SH/HH für Junioren und Junge Reiter in unserer ersten CCI* und wurden Vizelandesmeister mit 0,3 Strafpunkten Abstand zur Gewinnerin Beeke Kaack. Weitere Erfolge gaben uns 1997 die Starterlaubnis für die Juniorenmeisterschaften in Marienthal. Leider konnten wir auch die nicht beenden.
1998 nannte ich im Früjahr todesmutig meine erste CIC**-Prüfung in Schenefeld. Beim Abgehen der Geländestrecke guckte ich mich an einem riesigen Trakehner Graben fest, den ich als den mächtigsten Sprung aller Zeiten empfunden habe. Mein Vater musste mir das ganze Wochenende einreden, dass das alles nur optisch und der Sprung an sich „lachhaft“ wäre. Auf der Wegestrecke auf dem Weg zum Geländestart kam ich an besagtem Graben vorbei und hielt kurz an, um mir eine herannahende Reiterin über dem Sprung anzuschauen. Es kam, wie es kommen musste das Paar verschwand sang- und klanglos im Graben. Von beiden sah man nur noch die weiße Schabracke. Ich weiß bis heute nicht, wie ich mich dazu motivieren konnte, an den Start zu gehen. Eich lief wie immer fantastisch und als wir zu dem Graben kamen, muss er gedacht haben, es geht um unser beider Leben. Ich bin dagegen geritten, als wäre der Teufel hinter uns her Eich flog über den Graben und wir landeten sicher auf der anderen Seite. Von dem Moment an wusste ich, dass man alles überwinden kann, wenn man den richtigen Partner unterm Sattel hat. Wir wurden in dieser Prüfung 5. in der Gesamtwertung und ich war so stolz auf Eich, dass es mich nicht mal störte, dass der Veranstalter in diesem Jahr nicht wie üblich den jüngsten Starter in der CIC** mit einem Sonderpreis ehrte (das wären wir gewesen), sondern den ältesten mit knapp 60 Jahren.
Eich und ich mauserten uns in den folgenden Jahren zu einem der besten Paare in der Jugendszene der Vielseitigkeit. Doch der große Traum von einem Start bei der Jugend-Europameisterschaft ging leider nie in Erfüllung. 1998 standen wir als feste Größe auf der Longlist, blieben dann aber wegen eines Hufgeschwürs zu Hause, das einfach nicht rechtzeitig abheilen wollte. 1999 bat mich der damalige Bundestrainer, mich zum Jungen Reiter hochstufen zu lassen, da es angeblich in dem Jahr nicht genügend Paare gab, die sonst für die EM in Frage kämen. Eich und ich wurden 4. auf den Deutschen Meisterschaften der Jungen Reiter und bestätigten unsere Top-Form. Kurz vor der letzten Sichtung erkältete sich Eich leicht und nach Rücksprache mit dem Bundestrainer sollte ich nicht Fullspeed durchs Gelände reiten. Das tat ich auch nicht. In der Gesamtwertung landeten wir auf einem Reserverang und auf der Longlist auch.
Ich weiß bis heute nicht, welche politischen Entscheidungen dahinter standen. Ich entschied mich, im folgenden Jahr nur noch das zu reiten, worauf ich Lust hatte, nicht mehr von einer Sichtung zur nächsten zu hechten und nicht meine gesamte Freizeit dafür zu opfern. Dieser Entschluss führte zu einem Riesenstreit mit meinem Vater, der in letzter Konsequenz Eich und mich trennte und das Pferd jemand anderem zur Verfügung stellte. Ich zog zu meiner Mutter, die mit Rainer Hartel zusammen einen gekörten Sohn des Fontainbleau vom Trakehner Hengstmarkt gekauft hatte, der zwar als Dressurpferd gedacht war, aber gerade verdächtig gute Noten im Geländeteil der HLP bekommen hatte. Sie boten mir an, ihn zu reiten so kam ich zu El Greco.
Eich lief unter seiner neuen Reiterin eher schlecht als recht und es war schlimm, ihn auf Turnieren unter jemand anderes zu sehen. Deswegen war ich sehr erleichtert, als meine Schwester sich entschloss, ihn zu übernehmen und mit der Vielseitigkeit anzufangen. Eich trug meine Schwester vom A-Bereich bis zum CIC** beim Preis der Besten in Warendorf. Von Vielen wurde er nur noch „der Professor“ genannt. Wegen Herzrhythmusstörungen musste er im Alter von 16 Jahren aus dem Sport genommen werden. Mein Vater ritt jeden Tag mit ihm aus, bis er eines Tages unter ihm anfing zu schwanken. Der Tierarzt bestätigte leider unseren Verdacht: Eichis Herz wurde immer schwächer und die Medikamente halfen nicht mehr. Eine Woche später mussten wir ihn einschläfern, sein Sportlerherz wollte anscheinend kein glückliches Rentnerleben führen. Ich werde Eich mein Leben lang nicht vergessen. Wir sind beide als Grünschnäbel in die Vielseitigkeitsszene gestartet; er hat mir alles beigebracht, was für diesen Sport wichtig ist, und wir hatten zusammen neben den ganzen Erfolgen so viel Spaß, aufgebaut auf grenzenlosem Vertrauen.
Danke, Eichi!
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